Hinter den Kulissen der Terraristika

Die Menschen strömen zu tausenden zur Terraristika und Händler reisen teilweise mit hunderten Tieren aus den Niederlanden, der Tschechei oder auch England an. Während der interessierte Besucher die Tiere begutachten oder auch anfassen darf, sieht man Schlangen, Echsen und Co., die unter größtem Stress stehen und teils stetige Drohgebärden zeigen oder versuchen, ihren Glas- und Plastikkästen zu entkommen. Dazu muss erwähnt werden, dass für ein Wildtier eine Bedrohung, wie das ungewohnte Anfassen durch den Menschen, das Herausnehmen aus den Behältern etc. immer Todesangst bedeutet – eine Situation, aus der das Tier in freier Wildbahn fliehen oder sich verteidigen würde, dies hier aber nicht kann. Die Tiere stehen dadurch unter enormem Stress und das oftmals stunden- oder tagelang.

In diesem Video ist zudem eine weitere Problematik klar zu erkennen: Das sogenannte ITB (Interaction with Transparent Boundaries, übersetzt „Interaktion mit transparenten Begrenzungen“). In dem Buch „Health and Welfare of Captive Reptiles“ schreiben die Autoren: „Oftmals können Reptilien dabei beobachtet werden, wie sie versuchen, an den transparenten Begrenzungen ihres Geheges hochzuklettern oder dagegen drücken. Zu den medizinischen Folgen gehören hauptsächlich Abrasionen am Rostrum.“ (Anmerkung PETA Deutschland: Abrasion=Abschürfung; Rostrum=Rüssel, Schnauze) "In einigen Fällen kann diese Verhaltensweise beinahe 100% der Aktivitätszeit eines Reptils ausmachen. Dies steht im Gegensatz zu vielen Säugetieren und Vögeln, die schnell lernen, dass eine durchsichtige Glaswand undurchdringbar ist und deshalb schon bald nicht mehr versuchen, hindurch zu kommen. … Interaction with Transparent Boundaries (ITB) ist eine der am häufigsten beobachteten maladaptiven Verhaltensweisen in Gefangenschaft und scheint zum Großteil mit Erkundungs- und Fluchtverhaltensweisen in Verbindung zu stehen." (Anmerkung PETA Deutschland: maladaptiv= unangepasst; eine Verhaltensweise ist maladaptiv, wenn sie einst entwickelt wurde,  um den Betreffenden zu schützen, nun aber mehr schadet als nützt.)

Da Schlangen, Echsen und andere Reptilien keine domestizierten Tiere sind, sind ihre Verhaltensweisen, ihre Physik und ihre Psyche noch immer so mit einem natürlichen Leben verbunden, dass sie sich niemals an die Gefangenschaft gewöhnen, geschweige denn sich in ihr wohlfühlen.

Auch um die Messe herum wird bereits mit Tieren gehandelt.

Schon auf dem Großparkplatz der Ausstellungshallen findet man Angebote , die in Autofenstern aushängen oder bekommt die Tiere, die in die Hallen getragen werden, bei Interesse direkt dort angepriesen. So geschehen beispielsweise auf der Terraristika im Sommer 2010, als ein Händler Ermittlern von PETA wild gefangene Pantherschildkröten anbietet. Diese Tiere, die noch kurz zuvor in ihrer Heimat in Süd- und Ostafrika lebten, werden nun verhökert – ob der Käufer sich mit ihren Bedürfnissen auskennt oder nicht, spielt absolut keine Rolle, solange der Preis stimmt. Die nötigen Begleitdokumente lagen nicht vor.

Doch nicht nur die Exoten selbst sind die Leidtragenden der Industrie – auch die sogenannten Futtertiere werden zu Ware degradiert, massenhaft produziert und zu Spottpreisen verkauft. Ermittlungen innerhalb der Zoohandelsindustrie haben gezeigt, dass diese Tiere oftmals auf grausame Weise getötet und dann als „Frostfutter“ verkauft werden. Auch lebendige Mäuse werden völlig tierschutzwidrig gehalten und für Centbeträge verkauft.
Kein Mensch, dem die Bedürfnisse und das Wohl dieser Tiere am Herzen liegen, kann an den unzähligen, aneinander gereihten Plastikboxen vorbeigehen, ohne das Leid zu sehen. Wilde Tiere, die eigentlich die pure Freiheit ausstrahlen, sitzen hinter Plastik- und Glasdeckeln. Bitte helfen Sie uns, dies zu verhindern und besuchen Sie niemals eine Exotenbörse. Klären Sie Ihre Bekannten über diese Problematik auf und kaufen Sie sich selbst auf keinen Fall ein exotisches Tier. Sollten Sie sich intensiv mit der Haltung der Tiere beschäftigen können und sehr gute Rahmenbedingungen bieten, holen Sie ein Tier aus dem Tierheim zu sich – auch dort warten immer mehr Schlangen, Echsen oder Spinnen auf ein neues Zuhause.

Nehmen Sie bitte unter http://www.peta.de/web/terraristika.4119.html an unserem Aktionsaufruf teil, um den Tierhandel auf der Terraristika zu stoppen!