Herkunft und Handel

Die exotischen Tiere stammen entweder aus privaten Nachzuchten (NZ), Farmzuchten (FZ) oder sind noch immer Wildfänge (WF). Weitere Kategorien sind die deutsche Nachzucht (DNZ) und die europäische Nachzucht (ENZ). Eine Farmzucht bedeutet in diesem Fall meist nichts anderes, als dass Elterntiere gefangen werden, sich im Herkunftsland auf einer Zuchtfarm fortpflanzen und die Jungtiere demnach als „Farmzucht“ verkauft werden. Informationen über diese Zuchtstätten dringen kaum nach außen, denn schließlich werden hier wilde Tiere ihres natürlichen Lebensraumes beraubt und – wohl unter tierwidrigen Bedingungen – auf den Versand in die ganze Welt vorbereitet. Viele von ihnen überleben die Reise nicht.

Laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) wurden in 2006 nach Deutschland 94.373 Reptilien und 1351 Amphibien eingeführt. Erfasst sind hier aber nur die Tiere, die einen geschützten Status haben, also vom Aussterben bedroht sind. Die Zahl der nicht geschützten Arten liegt um ein Vielfaches höher, das BfN drückt es wie folgt aus: "Die geschützten Arten machen maximal ein Fünftel des tatsächlichen Exoten-Imports aus". Demnach sind in 2006 mindestens 478.620 exotische Tiere nach Deutschland eingeführt worden, die illegalen Einfuhren noch gar nicht mitgerechnet, denn durch die europäische Osterweiterung hat sich ein enormer illegaler Tierhandel entwickelt.

Die Käufer sind oft Großhändler, die die Tiere an Zooläden, Privatpersonen und Verkäufer auf Messen weitergeben. Die Machenschaften dieser Tier-Mafia wurden erneut im vergangenen Jahr aufgedeckt, als ein Undercover-Ermittler von PETA USA mehrere Monate lang bei dem amerikanischen Unternehmen US-Global Exotics arbeitete und gravierende Missstände aufdeckte. So wurden Tiere wie Schlangen, Leguane, Präriehunde, Schildkröten, Frösche oder auch Faultiere teils Wochen oder monatelang nicht oder nur völlig unzureichend versorgt. Unzählige Tiere vegetierten in ihren Transportbehältern vor sich hin oder erhielten keine Nahrung. Viele überlebten den Aufenthalt bei USGE nicht. Dank PETA USAs Ermittlungen wurden die Behörden eingeschalten und USGE wurde für immer geschlossen.


Die schockierenden Bilder zeigten der Welt, wie mit der "Ware Tier" hinter den Kulissen umgegangen wird. Verkauft wurde in die ganze Welt, auch an deutsche Händler.

 

Die deutschen Geschäftspartner

Die Anzahl der Tiere und die Namen der Händler in Deutschland können Sie der folgenden Auflistung entnehmen:

Zahlen 2009:
  • Das Tropenparadies, von Thorsten Holtmann und Volker Ennenbach in Oberhausen betrieben, hat 2009 insgesamt 26.800 Tiere mit USGE gehandelt.
  • Die Exo-terra GmbH, die von Leonard Schaudi in Holzheim betrieben wird, hat 2009 insgesamt 7.173 Tiere von USGE importiert.
  • Walter Bohrmann aus Lautersheim hat 2009 insgesamt 7.651 Tiere von USGE importiert.
  • Frank Feistner aus Nünchritz hat 2009 insgesamt 2.371 Tiere von USGE importiert.
  • Peter Hoch Import Export aus Waldkirch hat 2009 insgesamt 4.903 Tiere von USGE importiert.
  • TERRA REPTICA, von Hartmut Koschorke aus Karlsruhe betrieben, hat 2009 insgesamt 1.613 Tiere von USGE importiert.

Zahlen 2008:
  • Das Tropenparadies, von Thorsten Holtmann und Volker Ennenbach in Oberhausen betrieben, hat 2008 insgesamt 26.137 Tiere von USGE importiert.
  • Die Exo-terra GmbH, die von Leonard Schaudi in Holzheim betrieben wird, hat 2008 insgesamt 6.482 Tiere von USGE importiert.
  • Walter Bohrmann aus Lautersheim hat 2008 insgesamt 7.593 Tiere von USGE importiert.
  • Frank Feistner aus Nünchritz hat 2008 insgesamt 7.599 Tiere von USGE importiert.
  • Ingo Seeger aus Krefeld hat 2008 insgesamt 790 Tiere von USGE importiert.
  • Das Zoo-Center der Gbr. Dekker aus Gladbeck hat 2008 insgesamt 3.675 Tiere von USGE importiert.
  • ISIPET (Betreiber ebenfalls die Gbr. Dekker aus Gladbeck) hat 2008 insgesamt 1.311 Tiere importiert.
  • Peter Hoch Import Export aus Waldkirch hat 2008 insgesamt 1.254 Tiere von USGE importiert.
  • TERRA REPTICA, von Hartmut Koschorke aus Karlsruhe betrieben, hat 2008 insgesamt 4.173 Tiere von USGE importiert.
  • TERRARIENWORLD DE, von Sven Sieckmann betrieben, hat 2008 insgesamt 456 Tiere von USGE importiert.

Im Jahr 2008 wurden namhafte deutsche Händler mit insgesamt 60.465 Tieren von USGE beliefert! 2009 wurden über 50.000 Tiere zwischen deutschen Händlern und USGE verschickt.

Das Internet hat sich in den letzten Jahren zu einem Tummelplatz für Käufer und Verkäufer exotischer Tiere entwickelt. Per Mausklick kann man die unterschiedlichen Tierarten wie die neuste Modekollektion direkt nach Hause bestellen. Bei Großhändlern findet man meist ein Warenlager voller Lebewesen vor, wie dieser Film eindrucksvoll zeigt. Der dort gefilmte Händler „Import-Export Peter Hoch“ war übrigens auch in den USGE-Skandal verwickelt:


www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8078922.

Die Gesetze sind schwach: Mit einigen Ausnahmen darf sich jeder Mensch ein Schlange, eine Echse oder eine Schildkröte nach Hause holen. Allzu oft sind sich die Käufer der Verantwortung jedoch in keinster Weise bewusst und viele setzen ihre Tiere aus oder geben sie wieder ab, wenn die erste Stromrechnung kommt oder der „süße“ Leguan auf einmal 2 Meter groß ist. Für unzählige andere Exoten bedeutet das Unwissen ihrer Halter Siechtum, Krankheit oder sogar den frühzeitigen Tod.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage: Solange sich Menschen noch exotische Tiere im eigenen Wohnzimmer halten, wird es auch Händler geben, die damit ihr Geld verdienen. Bitte klären Sie Ihren Bekanntenkreis über die Problematik auf und kaufen Sie niemals ein exotischer Tier!