Die wahre Natur exotischer Tiere

Zwar trifft man Schlange, Leguan und Co. immer häufiger in deutschen Wohnungen an, doch kaum jemand weiß eigentlich über die wahren Bedürfnisse und das natürliche Leben dieser außergewöhnlichen Tiere Bescheid. Das liegt zum einen natürlich daran, dass es sich nicht um domestizierte, sondern „wilde“ Tiere handelt – in freier Natur hat sie kaum jemand in großer Vielzahl gesehen. Zum anderen bleiben für die meisten die Tiere auch dann ein Rätsel, wenn sie bereits bei ihnen eingezogen sind: Anders als Hunde oder Katzen, die sich uns durch Mimik oder Laute verständlich machen können, wissen wir in den wenigsten Situationen, was ein Reptil gerade verlangt, ob es Schmerzen hat oder Angst empfindet.

Eines der beliebtesten „Anfängertiere“ im Terraristik-Bereich ist die Kornnatter (Pantherophis guttatus). Die in Nordamerika beheimateten Schlangen gehören zur Gattung der Kletternattern. Ihr natürlicher Lebensraum sind Laub- und Nadelwälder, aber auch Gras- und Feuchtgebiete. In Gefangenschaft sperrt man sie in einen Glaskasten als Ausstellungsstück. Es existieren mittlerweile zahlreiche Farbmutationen der Kornnatter, um den Sammeltrieb der Halter nach dem „Außergewöhnlichen“ zu stillen.

Auch sehr beliebt unter den Exotenhaltern ist der grüne Leguan (Iguana iguana). Er kommt in freier Natur in Mittel- und Südamerika vor und kann 2 Meter und größer werden. "Grüne Leguane kommen als Massenware aus mittelamerikanischen Farmen zu uns – jedes Jahr Hunderttausende", wird Professor Hoffmann, Leiter der Klinik für Fische und Reptilien an der Tierärztlichen Fakultät der Universität München, zitiert (stern, Heft 25/2005). Die Tiere sind gute Schwimmer, leben aber auch auf Bäumen. Sie fühlen sich in dichter Vegetation, bei hoher Feuchtigkeit und mit Plätzen für Sonnenbäder wohl. Grüne Leguane werden in Südamerika im großen Stil auf Farmen gezüchtet. Das Hauptproblem liegt hier meist darin, dass die Tiere klein gekauft werden und der Halter mit den ausgewachsenen Leguanen schnell überfordert ist.

Immer wieder liest man auch von Pythons (Pythoninae), gerade Tigerpythons (Python molurus), in Privathaushalten. Die Größe variiert dabei zwischen den Unterarten, doch können die Tiere problemlos 4 oder 5 Meter groß werden. In ihrem natürlichen Lebensraum  in Asien legen die gemächlichen Tiere zur Futtersuche und in der Paarungszeit oft große Strecken zurück. Sie sind gute Schwimmer und Kletterer, können sogar sehr gut tauchen. Wenn die Weibchen ihre Eier abgelegt haben, erhöhen sie die Brüttemperatur, indem sie mit ihren Muskeln zittern. In Gefangenschaft kann man bei all diesen Tierarten nicht von einem natürlichen Lebensrhythmus sprechen.

Diese drei Tierarten stehen lediglich stellvertretend für tausende Arten exotischer Tiere, denen ein natürlicher Lebensraum verwehrt bleibt. Im Gegensatz zu anderen, bereits domestizierten Tierarten, gewöhnen sich Schlangen und Echsen nicht an die Gefangenschaft. Verhaltensstörungen, Stress und Drohgebärden sind häufig die Folge. Der Mensch sollte endlich begreifen, dass – so faszinierend diese Tiere auch sind – sie nicht in einen Glaskasten, sondern in Freiheit gehören.

Diese Kornnatter kann für 75€ von jedem erworben werden

Pythons mit besonderen Farbvarianten wie diese sind bei Sammlern besonders begehrt

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